Über’s Jodeln

Was ist jodeln?

Der Jodler ist eine der bemerkenswertesten und variantenreichsten Gattungen der alpenländischen Volksmusik. Mit verschiedenen lokalen Ausprägungen ist das Jodeln eine ethnische Sing- und Ausdrucksform, die man besonders in gebirgigen Landstrichen vorfindet. So ist das Jodeln im Alpenraum fixer Bestandteil der überlieferten Volkskultur, jedoch sind registerwechselnde Gesänge nicht nur auf Österreich, Bayern und die Schweiz beschränkt.

Das häufige Umschlagen der Stimme (Registerwechsel) und das Lautmalen auf Silben sind Archaismen musikalischer Betätigung des Menschen, wie sie bei Völkern weltweit zu finden sind und dort integraler Bestandteil von kulturellen Handlungen sind. So finden sich Formen des Kehlkopfgesangs und Registerwechsels auf allen Kontinenten. Diese Gesänge global als „jodeln“ zu bezeichnen, wäre wohl zu eng gegriffen, wenn wir etwa an das „Joiken“ in Skandinavien oder die „Yellis“ in  Zentralafrika denken. Ein wichtiger Unterscheid liegt wohl auch in deren Zweck, der von sozial-kommunikativ bis spirituell-rituell reicht.

Charakteristische Merkmale des Jodelns sind das  häufige Umschlagen zwischen Brust- und Kopf- bzw. Falsettstimme (Registerwechsel), eine eng geführte Mehrstimmigkeit, große Intervallsprünge und die fast ausschließliche Verwendung von Dur-Tonarten. Ein weiteres Erkennungsmerkmal des Jodlers ist das Singen oder Rufen auf Lautsilben. Vokale dienen dabei als Klangträger und machen die Klanggebung stimmlich leicht. Silben und Melodie sind sehr eng miteinander verknüpft.

Die Jodelsilben werden unbewusst nach phonetischen Gesetzen ausgewählt: Die geschlossenen Vokale i, u, ü unterstützen die Kopfstimme, die offenen Vokale a, å, o, e die Bruststimme, wobei u und e Grenzfälle sind und in beiden Registern benutzt werden. Der menschliche Stimmapparat gibt vor, welche Vokale sich dazu eignen, Botschaften über weite Distanzen zu transportieren: So trägt das „i“ z.B. über weite Distanzen und erreicht das Ziel in der Ferne. Konsonanten spielen eine untergeordnete Rolle. Sie verbinden die Vokale miteinander, oder sie zeigen Verzierungen an. Der häufige Wechsel zwischen Vokalen hat einen weiteren Effekt: er lässt einen Reichtum an Obertönen entstehen, der für die Klangfarbe bestimmend ist.

Zum Ursprung des Jodelns mag es unterschiedliche Theorien geben. Unbestritten hat es eine Wurzel in der Kommunikation über weite Distanzen. Jodler und Juchezer wurden ursprünglich als Verständigungsmittel in der Alm- und Bergwirtschaft verwendet. Sie entwickelten sich aus Signalen von Mensch zu Mensch (Verständigungsmittel von Alm zu Alm oder etwa Arbeitskommandos bei Holzarbeiten im Wald), oder von Mensch zu Tier (Viehlockrufe). Eine weitere Hypothese besagt, der Jodler sei aus der Tanzmusik heraus entstanden. Auch wird die Idee erforscht, im Jodler könne eine Nachahmung des Alphorns vorliegen. Hans Gielge wiederum beschreibt bildhaft die Höhen und Tiefen des Jodlers, indem sie die die Alm- und Berglandschaften nachzeichnen.

Ein „Juchezer“ ist ein sehr einfacher, freier Ausdruck der Freude, während ein „Almschrei“  einen einstimmigen Ruf bezeichnet, der zum Teil schon melodisch gebunden ist und Worte enthalten kann. „Jodler“ werden mehrstimmig geführt als „Miteinand“, „Gegeneinand“ oder „Füreinand“ und „Hintereinand“, meist 2- oder 3-stimmig, mitunter auch 4-stimmig.